Seit März dieses Jahres ist der Spreadly-Button (www.spreadly.com) auf deutschen Websites zu finden. Er ermöglicht es Usern, mit nur einem Klick den Inhalt der besuchten Seite zu teilen - und zwar in einem Atemzug auf Facebook, Twitter und LinkedIn. Im Unterschied zum simplen Like-Button von Facebook besteht zusätzlich die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen. In den USA konnten sich entsprechende Buttons bereits einen genügsamen Markt erschließen. Nun soll hierzulande ein solches Tool zur kanalisierten Verbreitung von vermeintlich interessanten Inhalten eingeführt werden. Entwickelt wurde der Button von dem Weinheimer Unternehmen Ekaabo.
Spreadly steht in erster Linie im Dienste des Profits. Kommerzielle Webseiten können ihre Angebote mit Spreadly verlinken und so den Besucher durch einen Klick zum Werbeagenten werden lassen. Die Betreiber einer Webseite müssen einen dreischrittigen Prozess auf der Homepage von Spreadly durchlaufen, um den Einbindungscode zu erlangen. Der Sharing-Button bietet die Option, für eine selbst eingrenzbare Zeitspanne sogenannte “Deals” zu erstellen. Der User kann für seine Empfehlungen über Spreadly durch den Seitenbetreiber entlohnt werden, indem ihm durch den Klick spezielle Vergünstigungen (zB. Rabatte oder Gutscheine) zuerkannt werden. Zusätzlich bewirbt spreadly.com sein Angebot mit einem Analysesystem. Der Webseitenbetreiber kann das Klickverhalten der (anonymen) User auswerten lassen und eine Statistik erlangen, welche Inhalte von Personen welchen Alters oder Geschlechts geteilt werden.
Und was nützt Spreadly dem User außer geringfügigen Rabatten? Dieser muss erstmal einen Anmeldevorgang durchlaufen, bevor er den Button nutzen kann. Besteht tatsächlich Bedarf, im Internet besuchte Inhalte auf diversen sozialen Plattformen gleichzeitig zu vermitteln? Verknüpfte Freunde, die auf mehreren der betroffenen Plattformen angemeldet sind, werden durch Spreadly mehrmals mit dem gleichen Inhalt konfrontiert. Es ist vorstellbar, dass die kanalisierte Diffusion Inhalte betrifft, die für den Einzelnen, der mit ihnen konfrontiert wird, uninteressant oder sogar bedeutungslos ist. Das dürfte bei Regelmäßigkeit nicht nur Ermüdungserscheinungen hervorrufen, sondern ab einem gewissen Maß als eine Art Spam wahrgenommen werden. Hochfrequente Verwendung vom Spreadly fördert als die Gefahr eines Zuschusses kommerzieller Trivialität in den sozialen Netzwerken. Darin liegt die Schwäche von Spreadly: Nur bei seltenem Gebrauch, also der gewissenhaften Verbreitung von außergewöhnlichem Content, kann Spready einen Zugewinn darstellen. Etwas jedoch, das selten gebraucht wird, kann keinen Markt für sich erobern.